Reise in eine neue Zeit

Michaels  Homepage: Zurück in Südamerika

05.02.-18.02.2017 Ecuador

Knapp 7 Wochen seit meinem dreimonatigen Aufenthalt in Südamerika, bin ich schon wieder auf dem Kontinent: diesmal in Ecuador. Anlass der Reise war eine Einladung, in der Deutschen Schule Quito  zusammen mit Michael eine Fortbildung zu geben.

Die Teilnehmer/innen sind Kolleg/innen aus deutschen Schulen in Ecuador, Kolumbien und Venezuela, die Deutsch (als Muttersprache oder Fremdsprache) oder Sachfächer wie Biologie, Geschichte oder Mathematik auf Deutsch unterrichten. Thema der Fortbildung ist: Textentlastung – nicht nur im DFU (Deutschsprachiger Fachunterricht)

Die deutsche Schule Quito ist ein Schmuckstück von Schule: ein großer Campus mit Theatersaal, eigenem Lehrschwimmbecken und parkähnlichen Außenanlagen. Sehr angenehme Arbeitsatmosphäre.

Sehr angenehm sind auch die Teilnehmerinnen, die mit ihrer konstruktiven Mitarbeit die Fortbildung erst zum Erfolg bringen.

Mit ihrem Feedback am Ende der Veranstaltung können wir gut leben Michael und ich beweisen uns auch beruflich als perfektes Team.

Die Hauptstadt Quito

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Quito liegt auf 2400 bis über 3000 Höhe. Die historische Altstadt ist als komplettes Ensemble Weltkulturerbe, was bedeutet, dass baulich nichts verändert werden darf. Das wiederum macht das Wohnen für wohlhabendere Menschen eher unattraktiv, weil man an den Häuserfassaden nichts verändern darf: z.B keine Garage bauen.

Die Folge ist, dass anders als in europäischen Großstädten die  Immobilienpreise in der Altstadt eher niedrig sind und eher weniger wohlhabende  Menschen  in der Altstadt leben.

Auch hier in Quito ist der Hauptplatz (Plaza de la Independencia) ein lebendiger Ort, wo ständig etwas geboten wir: Demonstrationen, Musik, Straßenkünstler, politische Versammlungen und vieles mehr. Hier wird palavert, getanzt, verkauft und gekauft und leider auch geraubt. Aber wenn man ein bisschen wachsam ist, kann man auch vermeiden, Opfer zu werden.

In Ecuador sind am 19. 02. 2017 nationale Wahlen. Der derzeitige Präsident Rafael Correa darf nach 2 Wahlperioden nicht mehr kandidieren. Der sozialistische Politiker ist bei seinen Landsleuten äußerst umstritten: auf der einen Seite hat er durchaus sinnvolle soziale Programme auf den Weg gebracht (z.B. den Mindestlohn eingeführt); seine Kritiker werfen ihm dagegen vor, extrem autoritär regiert zu haben und (wie fast alle südamerikanischen Machthaber) total korrupt zu sein. Als sein Nachfolger bewirbt sich für seine Partei ein Senor Lenín!! Zur Wahlpropaganda tragen Bürger für ein paar Dollar Parteifähnchen der verschiedenen Parteien zur Wahlpropaganda durch die Straßen.

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Unsere langjährige Freundin María Isabel (heute stellvertretende Schulleiterin der deutschen Schule) zeigt uns die besonders schönen Ecken der Stadt: Unter vielem anderem nette Cafés vor allem in dem historischen Stadtteil „La Ronda“und  das Prä-Inka-Museum. Abends führt sie uns  in eine fantastische Vorstellung der nationalen Tanztruppe, die zusammen mit dem nationalen Sinfonieorchester Igor Strawinsky „Le sacre du printemps“ inszenieren. Eine Aufführung mit Weltniveau.

Schön, dass es Kinder, Enkel und Freunde gibt, denen man was mitbringen will!!!

Wie schon in Peru erwies sich das Taxifahren als vergleichbar günstiges Verkehrsmittel. Mit Francisco haben wir UNSEREN Taxista gefunden, der uns einen Tag lang die Sehenswürdigkeiten rund um die Hauptstadt zeigt. Dazu gehören der Hausberg Pinchincha, das fruchtbare Vulkan-Kratertal Puluhua und vor allem der Äquator:

Seit wenigen Jahren gibt es zwei Äquator-Museen. Das neuere zeigt wohl die wissenschaftliche exaktere Linie.

Faszinierend ist das Experiment, das der Guía uns mit einem Wasser gefüllten Becken demonstriert: direkt auf der Äquatorlinie fließt das Wasser ohne zu wirbeln ab.

Zwei Meter weiter auf der südlichen Halbkugel fließt es deutlich sichtbar mit rechtsdrehendem Wirbel ab. Und entsprechend zwei Meter auf der nördlichen Halbkugel gegen den Uhrzeigersinn. Man will es nicht glauben, dass das so nahe beieinander wirklich funktionieren soll. (Meine Internetrecherchen konnte das Experiment auch nicht bestätigen. Die Physiker unter euch können mich da gerne aufklären!!!!)

Die zweite Woche unseren Aufenthaltes in Ecuador verbringen wir an der Pazifikküste. Mit dem Bus geht die Fahrt fast 7 Stunden lang nach Nordwesten zum Club Cumilinche in eine nette Hütte direkt am Meer.

Ohne Internet und Wlan lässt sich tatsächlich noch leben. Auch wenn man sich zugegebenerweise schon erstmal wieder daran gewöhnen muss.

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Zurück in der Zivilisation: das heißt auch Zugang zum Internet, extra um für euch zu bloggen!!!!!

 

 

 

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Diese beiden Strandbilder sind in etwas 200 Meter Entfernung entstanden. Zwei Perspektiven, zwei Realitäten.

Ja, es ist leider schlimm, wieviel Plastikmüll mit jeder Flut angeschwemmt wird und die Menschen Plastikflaschen – und tüten so achtlos wegwerfen!!!!

 

Wir nehmen Abschied von unserem lieben Begleiter Francisco und fliegen mit der KLM (sehr empfehlenswert) von angenehmen tropischen 27-30 Grad ins schmuddelige Februarwetter von Deutschland.

Chao Südamerika, bis zum nächsten Mal!!!






17.12.2016 Buenos Aires: die Kulturstadt

Freunde treffen und Kultur erleben ist das Programm der letzten Woche. Kulturell hat die Metropole ungeheuer viel zu bieten.  Einige Highlights der Woche:

Ausstellung im Museo de Bella Artes:

Mein absolutes Lieblingsbild in diesem Museum ist „Sin Pan sin Trabajo“ (ohne Brot, ohne Arbeit) von Ernesto de la Cárcova (1894), einem argentinischen Naturalisten.

Von diesem Werk gibt es zahlreiche zum Teil recht gelungene Adaptionen

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Eindrucksvoll ist auch die Ausstellung des Fotojournalisten Steve Mc Curry  im Centro Cultural Borges in den Galerías Pacífico.  Neben der technischen Perfektion fasziniert die sensible Beobachtungsgabe und Wertschätzung den Menschen gegenüber, die Mc Curry porträtiert. Weltberühmt wurde er unter anderem durch das Foto des Mädchens mit den grünen Augen.

Passend  zu dieser Reise sind die beiden Fotos von Gauchos aus dem Chaco in Paraguay:

Tango sehen, Tango tanzen auch das ist möglich in den Galerías Pacifico.

Im legendären Teatro Colón, dem bekanntesten Theater in Südamerika, nehmen wir an einer Generalprobe des Synphonieorchesters der Stadt Buenos Aires und an einem Auftritt von G. Depardieu teil.

Ein ehemaliges Theater  ist auch die umwerfend schöne Buchhandlung Ateneo Gran Splended in der Calle Santa Fé.

Und zum Schluss noch der Eingang des in der Stadt sehr umstrittenen Centro Cultural Kirchner mit Freundin Birgid.

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Adios Bueno Aires, adios Argentina, adios America de Sur!!! Hasta la proxima.

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13.12.2016 San Miquel de Tucumán

In Tucumán schließt sich ein Kreis dieses Blogs.

Hier in Tucumán habe ich 2009 und 2010 je 4 Wochen als „Coach-Teacher“ gearbeitet (siehe Bildleiste und die Beiträge in diesem Blog: „Meine Arbeit als Coach-Teacher des Pasch-Projektes“ „Tucuman“ und „Arbeit in Tucuman“).

Es war jedes Mal eine intensive Zeit, vor allem in meinem hauptsächlichen Tätigkeitsfeld an einer technischen Schule mit Sylvia U. Aber auch mit den Deutschlehrern von der Uni und dem DAAD (Deutschen akademischen Austauschdienst) arbeitete ich gut zusammen.

Sie wiederzusehen, war mir ein großes Bedürfnis. So wurde ein Asado im Haus von Sylvias Familie mit unserem gemeinsamen Freund  Diego zum landestypischen Wochenendvergnügen.

(Sylvia und ihre Mutter, Diego mit Lebensgefährtin)

Weihnachten im Hochsommer ist für uns von der nördlichen Halbkugel einfach kurios. An der Plaza von Tucumán ist die Weihnachtsdekoration aufgebaut: mit Krippe und Weihnachtsbaum. So schön die Lichter sind, bei 25 Grad am Abend, verlangt einem mehr nach einem kühlen Bier oder Eis als nach Glühwein.

Feliz año nuevo 2017

07.12.2016 Tafí de Valle (Estancia las Carreras)

Auf diesem ehemaligen Jesuitenkloster, heute Estancia und Hotel  waren wir 2008 und 2009 schon zweimal und werden tatsächlich von der Besitzerin wiedererkannt!!! Und wieder geht es uns hauptsächlich ums Reiten durch diese feucht-kühle Landschaft.

06.12.2016 Valles de Calchaquíes

Um besser einordnen zu können, wo wir uns gerade befinden, hier zwei Karten. Unsere  gesamte Nord-Argentinienreise findet zwischen Salta und Tucumán statt.

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Hier eine Detailansicht des Zirkels, den wir gefahren sind.

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(Der Kreis um Angastasco hat nichts zu bedeuten)

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Nach unserem geliebten Cafayate (siehe Eintrag vom 03.12.) geht die Reise ein Stück auf der berühmten Ruta 40  weiter. Diese Straße erstreckt sich über 5301 km von Feuerland bis Bolivien und ist Teil der Panamericana.

Etwa 200 km fuhren wir auf der Ruta 40 durch die Valles de Calchaquies. Sehenswert sind hier nicht nur die bizarren und farbigen Felsformationen und tiefen Quebradas, sondern vor allem auch die vielen Kandelaberkakteen (Cardones), die auf der Hochebene wachsen.

Nach Cachi (und Payogasta) geht es über eine Puna (Hochebene) zum Paso de Obispo auf 3500m Höhe und danach auf Schotterpiste ins Tal hinab.

Dann schließt sich der Kreis und wir fahren erneut das Lermatal Richtung Cafayate und weiter nach Tafí de Valle.

03.12.2016 Cafayate

Cafayate liegt etwa 180 km südlich von Salta und ist durch Valle de la Lerma und die Quebrada de las Conchas zu erreichen. Die Gesteinsschichtungen,  Erderrosion und Ablagerungen haben bizarre Formationen erzeugt, wie „El Sapo“ (die Kröte), „El Obelisco“ (der Obelisk), „La Garganta del Diablo“ (Teufelsrachen), „El Anfiteatro“ (das Amphitheater) und „Los Castillos“ (Die Burgen) .  Die Felsen erscheinen je nach Sonneneintrahlung  in einem anderen Licht.

Die Fahrt durch die Schlucht ist immer wieder ein faszinierendes Erlebnis.

Cafayate selbst liegt auf 1600 Meter Höhe und ist bekannt für seinen exzellenten Wein, und seine vielen Sonnentage (360). Die Regenmenge pro Jahr beschränkt sich auf etwa 100 mm. Bewässert wird  durch ein uraltes Bewässerungssystem mit Schmelzwasser aus den Bergen. Heute arbeiten alle Winzer mit Tröpfchenbewässerung.

Mit dem Fahrrad zu einem der schönen Weingüter fahren und einen Torrentés (einen typischen Weißwein von hier) gehört  für mich zu den größten Genüssen.

Eigentlich wollten wir nur 2 Tage bleiben, es wurden 5 daraus. Es gab immer wieder etwas Neues zu entdecken oder zu unternehmen:

Eine Bergwanderung zu den Cascadas Río Colorado, die nur mit Führer möglich war, weil das Gelände zu unwegsam ist.

Und eine Reittour mit wunderbaren Pferden: sogenannten Paso Peruanos, die als die bequemsten Pferde der Welt gelten, weil sie eine besondere Gangart haben.

Zu toppen war diese  Tour durch eine weitere einmalige Cabalgata (Reittour) durch die Quebrada de las Conchas. Wir fühlten uns wie in einem Wildwestfilm.

Cafayate selbst ist auch ein sehr schönes Städtchen mit einer belebten Plaza. Zur Zeit sind allerdings sehr wenig Touristen hier, die Restaurants sind fast alle leer, was etwas bedrückend ist.


29.11.2016  Im Norden Argentiniens

Salta la Linda (die Schöne)

Salta trägt den Beinamen „la Linda“ und war  immer eine meiner Lieblingsstädte in Argentinien. Deshalb wollte ich auch unbedingt noch einmal hierher. Die Lage am Rande des Gebirges, die Plaza und die Kultur der Menschen hier sprechen mich immer wieder neu an.

Es ist die Mischung der andinen Tradition und der Gauchokultur mit der argentinischen Leichtigkeit.

Plaza Central

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Zu Salta gehört für uns auch immer das Reiten  in den Bergen. Dazu hatten wir uns eine schöne Estancia ausgesucht.

Wie die Bilder des Internetauftritt eines Betriebes täuschen können, erlebten wir auf der Finca Quesero. Nach Ankunft waren wir zunächst geschockt, wie heruntergekommen und schmuddelig alles aussah.

Aber ebenso selten habe ich es erlebt, dass ich nicht fähig war, mich zu beschweren, obwohl weder die Länge der Reittouren noch die Ausstattung der Finca dem entsprach, was wir erwarten konnten. (Kein WLan, kein Telefon, kein warmes Wasser). Aber David, der Besitzer, war so charmant, bzw. beredt, dass man ihm nicht böse sein konnte. (Am Aussehen lag es nicht!!)

Beigabe zu unserem Aufenthalt waren lehrhafte Geschichtsstunden durch David (mit dem wir exklusiv bei einigen Glas Rotwein den Abend verbrachten) über die Unabhängigkeitskriege der Argentinier gegen die Spanier und über die Gauchokultur:  Die Gauchos waren ursprünglich eine Mischung aus Spaniern und Indios. In beiden Kulturen zu Hause entwickelten sie eine ganz  eigene Lebensweise, die sich äußerlich z.B. in  Tracht, Musik und Tänzen zeigt. Zwar sind die Gauchos der Pampa besonders bekannt, aber hier im Norden leben sie ihre Traditionen noch sehr viel stärker. Die Haupttätigkeit der Gauchos war und ist die Viehzucht. Oft haben sie keine eigenen Herden, sondern arbeiten bei einem Padron. Aber, so erzählte uns David, sie sind so stolz, dass sie nicht um Arbeit bitten, sondern  dem Padron ihre Hilfe anbieten. Daher leitet sich im argentinischen Spanisch der Ausdruck ab „hacer una gauchera“ (jemanden einen Gefallen tun).

„Unser Gaucho“ hieß Guillermo: ohne Vorderzähne, aber immer mit einem Bollen Cocablätter in der Backentasche, begleitete er uns auf unseren Ausritten.

Mein Pferd Arlequí ließ sich butterweich reiten. Das Galoppieren klappte auch nach einigen Jahren noch gut stimmte mich mit dem ganzen Aufenthalt auf der Finca  versöhnlich.

Weitere Infos auf Michaels Seite

22.11.2016 Argentinien

Buenos Aires: das Paris Südamerikas

Drei Jahre haben wir in dieser Stadt gelebt und gearbeitet. Es kommen viele (meist gute) Erinnerungen auf. Wir treffen jede Menge Bekannte und Freunde und tauschen uns aus. Sehenswürdigkeiten müssen nicht mehr abklappert werden und fotografiert haben wir damals auch schon fast alles. So können wir einfach SEIN, im Café sitzen, Zeitung lesen und uns informieren.

Nach unserern Aufenhalten in Paraguay und Perú fällt uns wieder auf, wie europäisch die Stadt ist und wie hellhäutig die Menschen in Argentinien (speziell in den gehobeneren Stadtteilen von Buenos Aires) sind. Dunkelhäutigere sind fast immer „Gastarbeiter“ aus Bolivien, Perú oder Paraguay. Andere Ethnien gibt es eher wenige. Das kommt daher, dass es in Argentinien eine systematische Ausrottung der indigenen Urbevölkerung gab. In der sogenannten Wüstenkampagne  führte General Julio A. Roca  über Jahrzehnte militärische Aktionen durch, um die die Indianer zu töten. Das ließ sich in der riesigen argentinischen Pampa und dazu noch mit Gewehren relativ leicht bewältigen. Bis vor kurzem war La Roca noch als Held auf dem 100 Peso-Schein abgebildet. Erst seit kurzem wurde er durch das Konterfei von Evita Perón ersetzt. Denkmäler stehen von ihm noch in verschiedenen argentinsichen Städten. Indigene leben heute nur noch in den Andenregionen.

Hier in Buenos Aires betreiben Chinesen oft die kleineren Supermärkte und haben ihr eigenes Barrio Chino mit vielen Läden und Restaurants. In einigen Stadtteilen leben (orthodoxe) Juden. Zwar steht in Palermo eine Moschee, aber Muslime fallen hier überhaupt nicht auf. Ich habe noch nie eine Frau mit Kopftuch gesehen. Unsere  europäischen Städte sind viel stärker „multikulti“.

Ein ganz anderes Thema, das uns selbst anspringt, ist die galoppierende Inflation. Mit einer Inflationsrate von 30-40 % wird Argentinien nur von Südsudan,  Venezuela und Syrien überholt. In den letzten 7 Jahrzehnten gab es nur 14 Jahre, in denen die Inflationsrate unter 10% lag. Zahlte ich 2008 noch 40 Pesos für eine Spanischstunde, so liegt der Preis heute bei etwa 320 Pesos. Ein Baguette kostete damals nur  1 Peso, heute sind es 25.

Zwar steigen die Löhne auch, aber Leute ohne Einkommen verarmen natürlich. 30% der Argentinier  gelten heute als arm. Und auch die neue Regierung unter Mauricio Macri bekommt die Inflation nicht in den Griff. Was am meisten erstaunt: niemand kann die Ursachen der Inflation erklären.

Bemerkenswert ist auch, wie fatalistisch alle unsere Feunde diese ständigen Krisen wahrnehmen. Allerdings wird die zunehmende Kriminalität in der Stadt und im Großraum Buenos Aires beklagt.

Was aber geblieben ist,  das ist der wunderbar blaue Himmel, das milde Klima, die lila blühenden Jacarandá-Bäume und die manchmal etwas exzentrischen, aber  freundlichen und meist zuvorkommenden Porteños (so nennen sich die Bürger von Buenos Aires).

Und was auch geblieben ist: In der überfüllten U-Bahn und im Bus gibt es ein subtiles System, wer einen freien  Platz bekommt. Alle scannen wortlos, wer im Umfeld das schwächste Glied ist (schwanger, mit Kind, alt, verletzt) und derjenige, bzw. diejenige darf sich setzen.

Einige Impressionen der Stadt: Die Plaza de Mayo.

Während der Zeit  der Militätdiktatur und danach protestierten hier wöchentlich  Mütter mit einem Schweigemarsch gegen das Verschwinden ihrer Söhne und Töchter, für welche die damalige Regierung verantwortlich war.

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An der Plaza de Mayo liegt auch die Kathedrale  der Stadt, in der Papst Franziskus früher Erzbischof war…

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und die Casa Rosada, der  Sitz des Staatspräsidenten

Sonntagsvergnügen im Parque Rosedal im Stadtteil Palermo

Der japananische Garten (Jardín Japones)

Weitere  Eindrücke von einer bunten, oft aber auch chaotischen Stadt


Mehr Infos und Bilder finden sich auf Michaels Seite:

http://www.michaelseeger.de/reisen/ar/bsas.htm


17.11.16 Peru (Arequipa)

Arequipa – die weiße Stadt

Arequipa ist die zweitgrößte Stadt Perus, sie liegt 2335 m hoch. Das historische Zentrum wurde 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, weil es fast komplett im spanischen Kolonialstil erhalten ist. Das Besondere ist der weiße Silla, ein Vulkanstein, der zu ihrem Bau verwendet wurde. Daher auch der Name: die weiße Stadt. Eine andere Variante für diesen Namen ist allerdings, dass lange Zeit die Stadt nur den Weißen vorbehalten war. Das indigene Personal musste in den Außenbezirken wohnen.

Man kann den Spaniern vieles vorwerfen im brutalen Umgang mit den Ureinwohnern dieses Kontinents, aber eines muss man ihnen lassen: ästhetisch bauen konnten sie.

Es ist überhaupt ein echtes Wunder, wie diese ganze Bautätigkeit in wenigen Jahrzehnten möglich war. Ende des 16. Jahrhunderts gab es im spanisch-amerikanischen Kolonialgebiet schon 200 Städte. Etwa die Hälfte alleine im Vizekönigreich Peru.

Der Städtebau war für die spanischen Eroberer wichtig: Die Städte dienten als Bollwerk gegen den kämpferischen Widerstand der indigenen Bevölkerung und bildeten die wirtschaftlichen und religiösen Zentren.

In all diesen Städten stehen etliche reich verzierte Kirchen. Man fragt sich, wo all die Künstler und Baumeister in so kurzer Zeit herkamen.

Vor allem die Plätze in der Mitte jeder größeren Stadt sind bis heute Orte, an denen man gerne verweilt und wo sich das soziale Leben abspielt. So auch auf der Plaza de Armas in Arequipa.

Hier noch drei weitere Beispiele schöner Kolonialstil-Bauten. (Man beachte den blauen Himmel, der an 360 Tagen im Jahr über Arequipa strahlt.)

Die unheilvolle Mitwirkung der katholischen Kirche an der Unterwerfung der indigenen Bevölkerung ist ja leidlich bekannt.

Wie man sich das konkret vorstellen kann, zeigt der mexikanische Maler Diego Rivera (Mann von Frieda Kahlo) auf folgendem Bild. Diese Darstellung lässt sich sicher auf Peru übertragen.

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Wer  die Taufe verweigerte, wurde Kampfhunden zum Fraß vorgeworfen, gefoltert und/oder getötet.

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Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig kritisch dieses schreckliche Erbe bis heute in den Kirchen reflektiert wird. Bei Führungen hört man nur davon, dass den Indigenen das Heil des Christentums gebracht wurde.
Nachdem die Indianer aber mal unterworfen waren, ließ die katholische Kirche  eine starke Vermischung mit Teilen des alten Glaubens zu (Synkretismus). Bei den Andenvölkern war die Pachamama die personifizierte Erdmutter. Dieser Pachamamaglaube ließ sich gut mit einer Marienverehrung verbinden  und so ist zu erklären, was zunächst sehr befremdlich erscheint: In vielen Kirchen sind fast ausschließlich Darstellungen von Maria als Königin zu sehen, Jesusdarstellungen geraten in den Hintergrund.

Der Übergang von der Pachamamaverehrung

zum Marienkult


Ein anderers Beispiel katholischen Lebens und besonderer Architektur in Arequipa  ist das  Kloster Santa Catalina

Es wurde schon 1579 als Frauenkloster vom Orden der hl. Katharina von Siena gegründet. Hier lebten die Töchter reicher spanischer Familien in kleinen eigenen Wohnungen mit Dienstpersonal. Das Kloster ist wie eine komplette Stadt angelegt.

Ein weiters Highlight ganz anderer Art in Arequipa ist das Museum der Mumie des Inkamädchens Juanita, das 1995 in der Höhe von 5000 m gefunden wurde. Sie war ein Menschenopfer der Inkas. Michael hat dazu mehr geschrieben:

http://www.michaelseeger.de/reisen/pe/arequipa.htm


13.11.16 Peru (Machu Picchu)

Peru war außer Venezuela und den drei kleinen Staaten im Norden das einzige südamerikanische Land, das wir bisher noch bereist hatten.

Peru ohne Machu Picchu geht ja schlecht, und dort schreckte uns (vor allem Michael) der Touristenrummel. Aber bei unserem langen Aufenthalt auf dem Kontinent musste es jetzt doch noch ins Programm.

Die Ruinenstadt wird unangemessen teuer vermarktet. Aber man macht so etwas ja auch nur einmal im Leben, deshalb bissen wir in den sauren Apfel.

Die Bilder der Inkastadt hatten mich schon immer fasziniert und die Inkakultur ebenso, welche man in vielen Teilen mit der Kultur der Römer und deren Expansion vergleichen kann.

Also flogen wir am nach unserem Abstecher nach Brasilien von Asunción über Lima nach Cusco (3.416 m hoch). Diese Andenstadt war das fühere Zentrum der Inkas, wurde von den Spaniern und dem Conquistador Pizarro total zerstört und im Kolonialstil umgebaut.

Noch heute hat man die Stadt einen wunderschönen Altstadtkern und ist Ausgangspunkt für viele Ruinen der Inkakultur, v.a.den bedeutendsten: denen in Machu Picchu (Zu Cusco siehe die Seite auf Michaels Webseiten, aus Zeitgründen arbeiteten  wir arbeitsteilig)

Es gibt die Möglichkeit direkt mit dem Zug und Bus morgens früh zu den Ruinen zu fahren (etwas mehr als 80 km und 4,5 Stunden Fahrtzeit) und abends wieder zurück. Aber das wollten wir nicht. Deshalb entschieden wir uns, die Tour in Etappen zu machen.

So fuhren wir mit einen Sammeltaxi von Cusco bis nach Ollantaytambo (2.792 m), einer alten Inkastadt mit gut erhaltenen Ruinen, die noch heute eindrucksvoll die perfekte Städteplanung der Inkas zeigt.

Eigentlich ist Ollantaytambo die ruhigere und preisgünstigere Variante zum Besuch des Machu Picchu und steht zu Unrecht im Schatten des großen Bruders.

Von den Ruinen aus hat man einen wunderbaren Blick in das Valle Sagrado (heiliges Tal der Inkas), so wird das besonders fruchtbare Tal des Rio Urbumba zwischen Cusco und Ollantaytambo genannt. Es war das landwirtschaftlich bedeutendste Hochtal der Inkas und ist auch heute noch sehr wichtig für den Maisanbau.

Unsere nächste Etappe war Aguas Calientes oder auch Machu Picchu Pueblo genannt. Hierher kann man nur mit dem sündhaft teuren Touristen-Perurail kommen. (84 US$ für etwa 40km)

Die Fahrt war allerdings ein Erlebnis und der Service im Zug exzellent. Man fährt immer am Fluss Urumbamba entlang an kleinen Andendörfern vorbei und mit Blick auf schneebedeckte Berge und von Zeit zu Zeit auf den berühmten Inkatrail geht es zu meinem Erstaunen auf 1.870 m hinunter.

Aguas Calientes war früher ein entlegenes Andendorf, heute ist es die letzte Station vor dem Machu Picchu und ein einziger Touristenrummelplatz. Die Stadt ist gepflastert mit Ständen und Geschäften, in denen die andinen Andenken, vor allem Textilien, Schmuck und Schnitzereien angeboten werden.

Aber das Angenehme an den Peruanern ist, dass sie immer freundlich und niemals aufdringlich sind. Niemand bedrängt einen, es gibt keine Bettler, auch Kinder betteln nie.

In der Nacht vor dem Aufstieg zum Machu Picchu wurde es Michael schlecht: Magen und Darm spielten so verrückt, dass er morgens nicht mitkonnte. Ich startete also bedauerlicherweise alleine mit dem Bus hoch zum Eingang der Ruinen. Schlangen von Menschen warteten schon, um mit einem der zahlreichen Busse hochzufahren. Alles war sehr gut organisiert, aber eben echter Massentourismus. (Die Busfahrt von etwa 10 km hin und zurück kostet 24 US$).

Wir hatten die Gipfelbesteigung des Machu Picchu mitgebucht. Über 600 m geht es von 2.400 m auf 3.062 m Höhe. Bei extrem hohen Sonnenstand und 30 Grad ein schweißtreibendes, aber lohnendes Unternehmen. Der alte Inkapfad führt zum Teil durch dichte Vegetation und lässt immer wieder einen Blick frei auf die Ruinenstadt.

Nach dem Abstieg hatte es schließlich 32 Grad und ich war ziemlich erschöpft.

Wenn man von den viel zu vielen Menschen absieht, ist die Ruinenstadt wirklich faszinierend. Die Lage in den markanten Bergen und das Bewusstsein von der hohen Kultur und der Perfektion der Baukunst der Inkas übt einen ganz besonderen Reiz aus. Gegen Nachmittag wurde es ruhiger und die Sonne knallte weniger; dann erst wurde es richtig schön. Man müsste die Anlage einmal ganz für sich haben und das in den frühen Morgenstunden oder gegen Abend. Dann erst könnte man die Einzigartigkeit dieser Ruinenstadt richtig erfassen.


07. 11. 16 Ganaderos und Sojeros II (Auf der Fazenda Taboca (Brasilien)

Wie angekündigt waren wir auf der Estancia Taboca des äußerst sympathischen Argrarunternehmers (oder Großargrariers) Thomas D. aus Deutschland.

Die Fahrt ging wieder durch Ostparaguay bis zur Grenzstadt Ponta Porá (Brasilien), bzw.  Pedro Juan Caballero (Paraguay) >> die Karte  im Eintrag vom 15.10. „Reise nach Ostparaguay.

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In Ponta Porá wohnt  Thomas mit seiner Familie.  Er ist ein guter Freund unserer Bekannten Ruth und Werner G., die uns zu diesem Besuch mitnahmen.

Thomas´ Soja-Estancia  umfasst knapp 700 ha. (Zur Orientierung: ein Fußballplatz misst etwa einen halben Hektar).

Wir erfahren viel über den Sojaanbau und meine Vorinformationen bestätigen sich:

  • Alle Soja ist genmaipuliert.
  • Das Saatgut wird ausschließlich von Monsanto geliefert.
  • Die Aussaat muss mit viel Pestiziden behandelt werden. Monsanto zwingt die Produzenten, diese Pestizide von dem Konzern gleich mitzukaufen. Durch die Übernahme von Monsanto durch den deutschen Pharmakonzern Bayer wird dieses Geschäft künftig von Bayer betrieben werden.
  • In den letzen Jahrzehnten wurde für den Sojaanbau sehr viel (Ur-)wald abgeholzt.
  • Die Abholzung führt zu Bodenerosion.
  • Die Soja wird hauptsächlich für Viehfutter und Biosprit genutzt.
  • Landwirtschaftliche Produkte werden nur vergleichsweise gering versteuert.
  • (Und aus anderer Quelle): Durch die Expansion des Sojaanbaus kommt es seit Jahren zu einer massiven Verdrängung von Kleinbauern und Indigenen.

Dass  die Soja auf dem letzten Bild so türkis ist, liegt an dem Gift, das schon dem Saatgut zugeführt wird.

Die Folge des Landgrabbings ist in Brasilien, vor allem im Süden in Mato Grosso (und in Mato Grosso do  Sul, wo wir waren), dass es immer wieder zu Landbesetzungen kommt. Hauptsächlich durch Guraní-Indianer, die bis vor 200 Jahren 25% des Landes besaßen, heute leben sie dagegen noch auf einem 1% der Fläche.

Nach der Besichtigung der Sojafelder fuhren wir auf die Vieh-Fazenda Taboca von Thomas etwa 130 ins Landesinnere.

Diese Fazenda ist wirklich genial.  Landschaftlich wunderschön gelegen und äußerst geschmackvoll eingerichtet. Reich sein hat ohne Zweifel seine angenehmen Seiten!!!

Wir verbringen zweieinhalb unvergessliche Tage hier: mit Bootsfahrten auf dem Rio Apa, mit Angeln und Reiten, verwöhnt von Marco und Lu, den Angestellten auf der Fazenda.

Marco ist ein Alleskönner. Er ist ein echter Gaucho, der die Rinder mit dem Lasso einfängt und behandelt, Motore repariert, die dicksten Fische aus dem Fluss angelt  vieles mehr.

Neben all dem diskutieren wir bis tief in die Nacht über Politik und soziale und ökologische Frage in Paraguay und Brasilien.  Da treffen natürlich wieder unterschiedliche Positionen aufeinander. Ich höre, wie sich die Sorgen derer anhören, die man gemeinhin als die „Bösen“ ansieht. Ein Freund von Thomas ist Opfer einer indigenen Landbesetzung geworden. Seit 18 Jahren ist sein Land besetzt. Er kann es nicht mehr bewirtschaften. Zwar hat er das Land rechtmäßig vom Staat gekauft, aber durch die Besetzung ist die Frage nach den rechtmäßigen Besitzverhältnissen neu aufgekommen. Die Richter müssen das entscheiden. Sollen die Indigenen Recht bekommen, verliert der bisherige Eigentümer den Anspruch auf das Land ohne Entschädigung. Er ist also ruiniert.

.Bootsfahrt auf dem Rio Apa

Beim Fischen hatte ich wieder mein legendäres Anglerglück. Ich warf die Angel genau zwei mal aus und schon biss ein kräftiges Kaliber in den Haken. Nicht lange danach gleich noch einer!!!!!

Und endlich konnten wir auch wieder mal reiten.

Wir durften Marco beim Versorgen kranker Kälber begleiten und wurden selbst Zeuge seiner Kunst das Lasso zu werfen.

Das war nun Paraguay  mit einem Abstecher nach Brasilien. Morgen fliegen wir nach Cusco (Peru).

31.10.16  Abschied vom Chaco

Mehr als sechs Wochen sind vergangen, seit ich hier im Chaco bin. In den letzten Tagen habe ich mich noch mehrmals mit Freunden und vor allem mit ehemaligen Studenten getroffen.

Ein Kurs hat aus Anlass meines Besuches am Sonntag ein Klassentreffen organisiert. Das hat mich natürlich sehr geehrt. Von 10 Kursteilnehmer/innen waren immerhin 7 gekommen, die anderen drei wohnen weit weg.

Drei Jahre habe ich Deutschdidaktik und Pädagogik am Instituto der Formación Docente (IFD) in der Klasse unterrichtet.  Diese Arbeit war sehr vielseitig und auch spannend, vor allem wenn die unterschiedlichen Lebensanschauungen aufeinandertrafen. Bibeltreue Christen und aufgeklärte Europäer interpretieren die Welt naturgemäß oft unterschiedlich. Aber wir konnten diese Differenzen aushalten, weil wir uns gegenseitig respektiert haben.

Heute sind die jungen Leute von damals alle selbst gestandene Mitglieder ihrer Gesellschaft: Lehrer/innen, einige auch Pfarrer, einer arbeitet journalistisch.

Alle hatten ihre Ehepartner und Kinder mitgebracht. Wieder ist mir aufgefallen, wie unglaublich ruhig und friedlich die Kinder spielten.Wir trafen uns in einer Schule, saßen von 16:00-21:00 Uhr zusammen und die 10 größeren Kinder spielten unaufhörlich und ausdauernd miteinander. Die Babys saßen bei den Eltern auf dem Schoß, es gab kein Gequäke und Gejammer, wir konnten uns vollkommen ungestört unterhalten. Als ein  Junge mal stürzte und sich das Knie aufgeschlagen hat, wurde er ohne viel Worte getröstet und nach wenigen Minuten war er schon wieder bei den anderen Kindern.

Ich kann mir das bei uns in Deutschland kaum vorstellen.

Dabei schienen die  Kinder mir in keiner Weise besonders streng erzogen. Wahrscheinlich ist es einfach die Tatsache, dass es hier so viel Platz gibt, und sie viel Möglichkeiten zum Toben haben. Dazu ist es fast immer warm, Kinder können also viel draußen sein.

(In der Mittel- und Oberstufe des Colegios gibt es das uns so vertraute Handyproblem hier aber auch schon).

Zusammenfassend kann  ich sagen: Es war wieder sehr schön hier.  Filadelfia ist ein Stück zweites Zuhause für mich.

Jetzt freuen wir uns aber auch auf die nächsten Etappen unserer Reise. Zunächst geht es mit Freunden auf  eine Sojaestancia an die brasilianische Grenze zum Angeln.

Michael hat auf seiner Homepage noch einmal eine sehr schöne Seite zum Chaco zusammengestellt.

25.10.16 Ganaderos und Sojeros

Viel war bisher von den Armen dieses Landes die Rede. Doch es gibt auch die anderen. Die Besitzer von hunderten oder tausenden Hektar Land. Die größten Estancias im Chaco betreiben Viehwirtschaft, im Osten Paraguays entwickelt sich seit vielen Jahren der Sojaanbau zum grünen Gold (für andere zur Pest).

Ganaderos sind die Besitzer von Viehherden. In Europa wissen wir das feste und schmackhafte Rindfleisch aus Südamerika zu schätzen. Noch ist die Viehzucht hier weitgehend extensiv. Das bedeutet: die Tiere leben (ähnlich wie in der Pampa in Argentinien) auf riesigen Weiden und haben genügend Auslauf und Bewegung. Eine Kuh beansprucht hier 1 Hektar Land. In der heißen Jahreszeit trinkt sie übrigens bis zu 100 Liter Wasser!!

Da der Fleischkonsum in der Welt immer noch steigt, steigt auch der Fleischpreis und damit die Einträglichkeit der Viehzucht.

Das wiederum führt zu immer stärkerer Abholzung und zur Verdrängng der letzten im Wald lebenden indigenen Gruppen. Vor allem im Norden des Chaco sind es Brasilianer und Argentinier, die rücksichtslos auch dort roden, wo es eigentlich nicht erlaubt ist. Aber durch Schmiergelder erwirbt man sich nachträglich die Duldung in Asunción.

Auch die Mennoniten betreiben extensive Viehwirtschaft, aber man muss ihnen zugute halten, dass sie sich in der Regel an die staatlich festgelegten Umweltbestimmungen halten (so muss bei Rodungen alle paar Hektar ein Waldstreifen von 100 m Breite stehen bleiben).

Dieses Wochenende verbrachten wir auf der Vieh-Estancia. unserer Freunde Walter und Matilde Thiessen. Der Mann im rosa Hemd auf dem Bild unten ist der Peón (der Arbeiter), der sich um das Vieh kümmert, wenn der Patron „Don Walter“ nicht da ist.

Es ist ein bisschen, wie man es aus der Literatur von Isabel Allende kennt: der Patron sorgt für seinen Arbeiter, er zahlt ihm nicht nur seinen Lohn. Hier misst Don Walter gerade ihm und seiner Frau den Blutdruck, denn die Frau leidet gelegentlich unter zu hohem Blutdruck.

Das Leben auf so einer Estancia hat schon was Abentuerliches. Vor allem Michael ist dort immer ganz glücklich, weil er seinem Jagdtrieb frönen kann.  Heute gibt es Buschhuhn zum Abendessen!!!!!!!!!!

Das Bild unten links zeigt übrigens eine Klapperschlange. Sie oder eine ihrer Artgenossen hatte wenige Tage zuvor Walters Pferd durch einen Biss so stark verletzt, dass es an dem Gift fast gestorben wäre.

Noch schlimmer als im Chaco ist die Abholzung in Ostparaguay wegen des Sojaanbaus. Hier werden vor allem die Kleinbauern von ihrem Land verdrängt und die Landbevölkerung durch Pestizite  schwer geschädigt. Vor allem Monsanto hat da wieder seine unrühmlichen Finger im Geschäft. Für alle, die auf Soja schwören, empfehle ich den Artikel über die Sojaproduktion in Paraguay zu lesen. Das Soja ist genmanipuliert und wird großteils zu Biosprit weiterverarbeitet. Monsanto droht Staaten (mit Rückendeckung der us-amerikanischen Regierung), die die Einführung genmanipilierten Saatgutes verweigern, mit Handelskrieg.

Die offizielle Rechtfertigung für die Genmanipulation ist, dass nur dadurch die Weltbevölkerung ernährt werden könne. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass das nicht das Hauptmotiv der Produktion ist.

Die Krönung des Ganzen ist, dass die Sojeros lediglich 1,3% – also praktisch keine Steuern zahlen, aber Millionen Dollar Gewinn scheffeln.

15.10.16 Reise durch Ostparaguay

Als Ostparaguay bezeichnet man alles östlich des Río Paraguay, also von Bahía Negra  bis Pilar.

paraguay

Dieser Teil des Landes ist wesentlich regenreicher und stärker besiedelt als der Chaco im Westen.

Die Hauptstadt Asunción liegt direkt am Fluss Paraguay (der weiter südlich in den Rio Paraná fließt) und kann als Gelenkstelle zwischen Chaco und Ostparaguay gelten.

Dort in Asunción holte ich am 13. Oktober Michael am Flughafen ab. Nach vier Wochen wieder vereint!!!!

Der Aufenthalt in der Hauptstadt war vor allem ausgefüllt mit unterschiedlichen Begegnungen. Als erstes besuchten wir unser Patenkind Clara und Mama Celsa Martinez in ihrem Heim. Da sie kein Auto besitzen und in einer anderen Stadt im Großraum Ausnción leben, mussten sie erst wieder bis zu einem Treffpunkt mit dem Bus anreisen.

Der Besuch war geradezu rührend. Mama Celsa ermunterte ihre Tochter ständig, alle schulischen Erfolgstrophäen zu präsentieren. Schließlich zeigte Clara uns stolz die Lektüre, die sie schon gelesen hat. Das ging von Robinso Crusoe, über Anne Frank und „Das Bildnis des Dorian Grey“ (Oscar Wilde)  bis zu „Die Verwandlung“ (Franz Kafka). Vor allem die beiden letzten Titel scheinen für ein 14-jähriges Mädchen schon etwas überdreht.

Unsere Clara ist die Schulbeste und Fahnenträgerin („banderera“) und so strebsam; da kann man nur hoffen, dass sie wenigstens ansatzweise ihre hehren Ziele erreicht. (Sie will Flugzeugbauerin werden).

Als nächstes besuchten wir die Familie von Eliana und Tania Lopez. Die beiden kennen wir auch durch die Gesellschaft Staufen-Paraguay.

Eliana hatte mehrere schwere Beinoperationen in Freiburg, die durch Spenden finanziert wurden (siehe Link). Ihre ältere Schwester Tania hatte sie dabei begleitet.

Ich habe sie damals während der Zeit im Krankenhaus besucht und selbst gesehen, wie tapfer das kleine Mädchen die Torturen der OPs ertrug. Eliana hatte eine starke Fehlbildung der Beine. Sie mussten sechsmal gebrochen werden, um sie in die richtige Form zu bringen. Eine solche OP ist in PY nicht möglich und außerdem von der Familie, die in sehr bescheidenen Verhältnissen lebt, nicht bezahlbar.

Zunächst war ich unsicher, ob es eine gute Idee wäre, die Familie in ihrem Haus zu besuchen. Aber nach der Kontaktaufnahme  mit Tania und der sofortigen Einladung zum Mittagessen war klar, wir werden das tun. Papa Lopez traf sich mit uns an einem markanten Punkt in der Stadt und lotste uns zu sich nach Hause. Das war auch notwendig, niemals hätten wir in den engen und verwinkelten Gassen den Weg gefunden.

Das Haus der Familie liegt in einem sehr ärmlichen Stadtteil von Asución nahe am Fluss in einer Niederung. Bei Hochwasser wird er immer wieder überschwemmt. Das letzte Mal in letzten Dezember. Sieben Monate stand das Wasser ein Meter hoch in ihrem Häuschen. Der ganze Dreck der Latrinen verseuchte Haus und Stadtteil. Die Familie musste zur Großmutter ziehen.

Als sie wieder zurück konnte, war von sogenannten botechorros (Diebe im Boot) das Bisschen, was zu stehlen war, auch noch weg: Ventilator, Haustüren, Fensterläden. So beklauen sich auch die Ärmsten noch untereinander.

Mittlerweile ist die casita wieder sauber, es fehlt nur noch der Anstrich. Das nächste Hochwasser kommt aber bestimmt und die Pfützen und damit die Gefahr von Denguefieber, an dem der Vater vor 3 Jahren fast gestorben wäre.

Alle diese Geschichten waren wahrlich nicht lustig. Trotzdem hatten wir eine richtig gute Zeit. Die Unterhaltung verlief total lebendig. Wir redeten über Gott und die Welt: über Familie, Deutschland, Politik in Paraguay, etc. Die Zeit verging wie im Flug.

Das krasse Gegenteil erlebten wir am Abend: Schicki-Micki in Asunción. Bilder von einer Vernissage, auf die wir zufällig gestoßen sind.

Zitat einer guten Freundin: Welch ein Privileg, dass wir die Wahl haben, aus beiden Welten wieder aussteigen zu können.

Wir hatten auch noch Gelegenheit, eine Familie aus einer anderen sozialen Schicht kennenzulernen: Teresa und Eusebio, Freunde von Dina und Bernd, bei denen ich die ersten Tage freundlicherweise wohnen konnte. Sie besitzen eine Druckerei mit etwa 15 Arbeitern und Angestellten. Super fand ich die alten Heidelberger Druckmaschinen, die hier noch im Einsatz waren.

Die Familie gehört zur Mittelschicht in Paraguay, die vergleichsweise klein ist. Das ist sicher einer der Gründe für die sozialen Verwerfungen in diesem Land.

Asunción, Capital

Asunción könnte eine schöne Stadt. Sie liegt direkt am Fluss Paraguay, hat einen kolonialen Altstadtkern und ist wegen des tropischen Klimas sehr grün.

Leider ist Asunción aber eher ungestaltet und etwas verwahrlost. Die historischen Gebäude der Altstadt werden nicht gepflegt. Die  Küstenstraße Costanera ist wohl vor  einiger Zeit neu gestaltet worden. Aber ansonsten kann man keinerlei Städteplanung erkennen. In den letzten Jahren sind einige schicke Hochhäuser entstanden. Erbaut offensichtlich von reichen Argentiniern, die zur Zeit der Regierung Kirchner ihr Geld im Ausland investieren wollten. Doch diese Luxus-Wohn- und Bürotürme stehen weitgehend leer, weil die Paraguayer sich die teuren Mieten nicht leisten können. Überall entstehen riesige Shopping-Malls: am Angebot fehlt es nicht, wohl aber an den finanzkräftigen Kunden.

Weiterfahrt nach Friesland

Friesland ist auch eine mennonitische Kolonie in Ostparaguay. 1935 spaltete sich eine Gruppe aus dem Chaco ab, die dort den extremen Lebensbedingungen entfliehen wollte. In Friesland lebt das Ehepaar Beate und Rendy Penner. Beide waren unsere Studenten.

Rendy ist heute Unternehmer, Beate Lehrerin und Autorin. Sie schreibt Sachbücher und Romane über die Menonnitengeschichte. In ihre beiden reizenden Kinder haben wir uns sofort verliebt. Es ist phantastisch, wie frei hier die Kinder aufwachsen können. Auch sie werden schon zu kleinen Unternehmern erzogen. Sie dürfen Küken großziehen und die Eier an die Cooperative verkaufen.

Der krönende Abschluss der Reise: Dic Provinzstadt Concepción

Bei unseren letzten Besuchen vor mehr als 10 Jahren, war diese Städtchen noch total aus der Zeit gefallen. Das Haupttransportmittel waren kleine abgemagerte Pferden; die Stadt war ziemlich heruntergekommen und verdreckt. (Man sagt in der Zeit der Strössner-Diktatur sei sie von jeder staatlichen Förderung abgeschnitten worden, weil sie als  politisch links galt.) Dennoch hat sie einen besonderen Charme, denn sie ist die einzige mir bekannte Stadt in Paraguay, die noch in dem schmucken Kolonialstil erhalten ist. Heute zeichnet sich zaghaft etwas Entwicklung ab. Die Pferdekutschen wurden weitgehend durch Mopeds und Autos ersetzt.

Die Lage der Stadt am Río Paraguay macht sie besonders morbide-malerisch. Wir kamen gerade noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang an, um gute Fotos vom „Hafen“ zu schießen.

Und zum Schluss noch einige Fotos von unterwegs zurück nach Filadelfia

10.10.16 Projekte mit Indigenen

Wie schon erwähnt, steigt die Bevölkerungszahl der indigenen Bevölkerung im Chaco stark. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch, zumal immer stärker Paraguayer aus Ostparaguay, die besser ausgebildet sind, den „Indianern“ die Arbeitsplätze wegnehmen. Viele Schüler brechen im Alter von 13-14 die Schule ab, die Zahl derer, die das eigentlich obligatorische 12. Schuljahr beendet, ist sehr gering. Die Bedeutung der Schulbildung wird von vielen Indigenen (noch) nicht gesehen. Dazu kommt, dass der staatliche Bildungsplan mit ihrer Lebenswirklichkeit wenig zu tun hat.

Ein weiterer bedeutender Faktor ist, dass indigene Eltern ihre Kinder zu nichts zwingen. Wenn die Sprösslinge  morgens nicht aufstehen wollen, um in die Schule zu gehen, haben die Eltern keine Möglichkeit,  Druck ausüben. Erziehung beruht auf Freiwilligkeit (Rousseau hätte seine Freude daran gehabt).

Man stelle sich unsere 9.-Klässler/innen vor:  Wenn die diese freie Wahl hätten, wie viele säßen da morgens pünktlich um 7:50 auf den Schubänken?

Aus Langeweile und Unkenntnis oder Unachtsamkeit entstehen viele Teenager-Schwangerschaften. Ein hoher Prozentsatz der Mädchen wird mit 14/15 Jahren zum ersten Mal Mutter. Die Kinder werden dann oft von der Großmutter mitversorgt. Die Familie hält zusammen, jedes Kind wird angenommen, so wie es kommt.

Auch die Eigentumsverhältnisse sind nicht so individualistisch wie bei uns. Aus ihrer Tradition als Nomanden ist gebleiben, dass alles im Prinzip allen gehört, zumindest  innerhalb der Familie. Wenn ein Familienmitglied Geld verdient hat und das Geld sparen will, wird es diesen Plan aufgeben müssen, sobald ein Onkel oder eine Cousine in Not ist, zum Krankenhaus muss, heiraten will, etc. Es ist dann nicht möglich, das Geld zu verweigern, ohne von der Familie ausgeschlossen oder zumindest gemieden zu werden. Die Folge ist: keiner ist in tiefster Not, aber es kann sich auch keiner „hocharbeiten“.

An diesem Dilemma arbeiten sich nun zig Organisationen, staatliche und internationale (z.B Oxfam) ab, zum großen Teil in Konkurrenz zueinander, oder so, dass die Unterstützung keine oder nur bedingt Hilfe zu Selbsthilfe bedeutet. Es besteht also auch hier das alte Problem des Sinns oder Unsinns von Entwicklungshilfe.

Ich hatte jetzt die Gelegenheit mit vielen Bekannten zu sprechen, die diese Arbeit zur Unterstützung der Indigenen machen.

Yalve Sanga

Am meisten Einblick habe ich in die Arbeit der Mennoniten, die oft dafür kritisiert werden, dass ihre „Indianerarbeit“ immer an Mission gebunden ist (was im Prinzip stimmt), auf der anderen Seite passiert hier aber auch viel Konkretes.

Zum Beispiel die ASCIM , das ist DIE Organisaion der Mennoniten für die Unterstützung der indigenen Bevölkerung seit vielen, vielen Jahren.

In Yalve Sanga, einer indigenen Comunidad unter mennonitischen Anleitung gibt es unter vielem anderen Schulen von der Vorschule bis zum Colegio (eine weiterführende Schule bis zum  12. Schuljahr) und jetzt ganz neu auch ein Lehrerbildungsseminar, in dem indigene Studenten nach dem gleichen Bildungsplan wie die Studenten, die ich damals ausgebildet habe, studieren. Das Programm ist sehr anspruchsvoll, das kann ich bestätigen.

Eine solche Ausbildung ist ein großer Fortschritt, obwohl die Pläne natürlich ganz nach weißen Wertvorstellungen und Inhalten ausgerichtet sind. Von der eigenen Geschichte und Lebensweise findet sich da nichts. Und bezahlt werden diese jungen Lehrer später vom paraguayischen Staat. Das bedeutet, ein Einkommen wird den Mindeslohn von 240 € kaum übersteigen (Die Lebensmittelpreise sind mittlerweile fast so hoch wie bei uns in Deutschland).

Trotz alledem ist es sicher der richtige Weg, um in der weiße Gesellschaft einen würdigen Platz zu finden. Schade, dass es dabei so wenig Raum für ihre eigene Kultur gibt.

Yalve Sanga: Vorschulkinder

Colegioschüler/innen

Lehrerstudent/innen

Speisesaal und Köchin

Arbeit mit  Frauen  und Mädchen

Brigitte Dyck, eine gute Bekannte von uns,  führt seit einigen Jahren auch ein sinnvolles Projekt durch. Im Rahmen ihrer Kirchengemeinde bildet sie Frauen zu Haushaltshilfen aus, die dann in den Häusern von Mennoniten arbeiten können.  Die Gemeinde öffnet die Küche, die zur Kirche gehört, um unter Brigittes Anleitung Schülerinnen der 9. und 10. Klasse das Backen beizubringen.

Auf den Einwand, das sei „gendermäßig“ aber nicht auf der Höhe der Zeit, kann  man erwidern, dass es zunächst darum geht, Frauen überhaupt in ein Arbeitsverhältnis zu bringen und damit die Stellung in der Familie auch zu stärken.

Erwachsenentaufe bei Indigenen

Die Missionsarbeit der Mennoniten bedeutet auch, dass sie den Indigenen ihr Glaubensverständnis vermitteln. Dazu gehört die Erwachenentaufe mit ganzkörperlichem Eintauchen im Taufbad.

Einer solchen Taufe habe ich letzten Sonntag beigewohnt.

03.10.16 Filadelfia

In den letzten Tagen hatte ich etwas Zeit zum Fotografieren, deshalb möchte ich meine Informationen über die Stadt Filadelfia ergänzen.

Als die Mennoniten sich hier Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts  ansiedelten, weil sie im sowjetischen Russland verfolgt wurden, lebten im Chaco vereinzelt steinzeitlich-nomadisch indigene Stämme. In der paraguayischen Bevölkerung galt der Chaco wegen seiner Hitze und Trockenheit als unbewohnbar.

Mit der Ansiedlung der Weißen in Argentinien, Bolivien und Paraguay verloren sie ihren angestammten Lebensraum und die Möglichkeit, sich aus der Natur zu ernähren.

Doch die über die Jahre ständig steigende Wirtschaftskraft und Produktivität der Mennoniten schuf Arbeitsplätze und zog sowohl viele Indigene (als Hilfsarbeiter und Tagelöhner) als auch Paraguayer an. (Obwohl die Indigenen natürlich eigentlich auch paraguayische Bürger sind, macht man diese Unterscheidung).

Mittlerweile leben in Filadelfia 15.000 Menschen, davon sind lediglich 5.000 Menonniten.

Das ist auch im Straßenbild stark zu sehen und hat sich seit meinem Aufenthalt  2002-2005 sehr verändert. Im Gegensatz zu damals wird heute in vielen Geschäften und Büros ausschließlich Spanisch gesprochen.

Die Mennoniten erinnern und pflegen ihre Ansiedlungsgeschichte in zahlreichen Publikationen und Museen.

Mennoniten sind bibeltreue Christen, der Glaube und das Gemeindewesen sind das wesentliche Bindeglied ihrer jahrhundertealten Tradition.

Sonntagsschule: früh übt sich……

Die Feier der Natur: Es ist Frühling hier zaubert die intensivsten Blütenfarben. Der Lapachobaum blüht nur 1-2 Tage. Auch die Kakteen blühen nur wenige Stunden.

Fahrradtour mit meiner Freundin Lena

Die Dörfer rund um Filadelfia haben oft noch deutsche Namen. Es ist schon seltsam, wenn man aus Baden kommend mitten in Südamerika durch Karlsruhe fährt. In dem Ort Orloff traf die Gruppe der Mennoniten ein, die über China aus der Sowjetunion geflohen war.

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Für mich fast das schönste am Chaco ist die Abendstimmung. Leider ist sie immer nur kurz. Dämmerung, wie wir sie kennen, gibt es in diesen Breiten kaum.

26.09.16  Ausflug in eines der mennonitischen Naturschutzgebiet

Als unsere Freunde Gati und Jacob Harder mir anboten, mit ihnen einen Tagesausflug nach Coralón, einem Naturpark mit Lagunen zu machen, zögerte ich mit meiner Zugsage keine Sekunde. (Jacob war mein früherer Chef hier am Instituto de Formación Docente, wo ich Deutschlehrer ausbildete)

Beide kennen den Chaco wie ihre Westentasche, sind Naturliebhaber und interessante Gesprächspartner.

Ausgerüstet mit Angel, Fotoapparaten, Mate und Tereré ging es morgens schon um 7:00Uhr los, denn es sollte eine Fahrt von jeweils 100 km auf Erdwegen werden. Und prompt hatten wir nach etwas 40 km einen Platten!!!

platten

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Impressionen von der Weiterfahrt

Arbeiter werden auf dem Camión zur Arbeit auf dem dem Land gefahren. Da kann man nur die Luft anhalten, dass nichts passiert.

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arbeiter-auf-camion

An der Lagune

400 Vogelarten leben im Chaco. Gati kennt die meisten davon. Ich konnte mir die vielen Namen nicht merken, sie zu beobachten war aber sehr beindruckend. Jaquarés (kleinere Krokodile) gab es noch in Mengen und eine Wasserschlange lag auch im Gras am Wegrand.

23.09.16 Regen-Blot-Straßenverhältnisse

Gestern hat es den ganzen Tag geregnet. Diese Info soll einen Eintrag wert sein?

Ist sie, denn Regen verändert hier alles! Nach 3 Monaten ist jetzt im Frühjahr der erste Regen für Mensch und Tier lebenswichtig. Nach dem trockenen Winter sehen die Weiden teilweise so aus:

cropped_sequia.jpg.jpg

Ein starker Regen kann wie durch Wunderhand das Weidegras in Hüfthöhe schießen lassen. Aber dafür hat es gestern wohl nicht ausgereicht.

Eine Kuh trinkt pro Tag übrigens 100 Liter Wasser, da kommt bei Herden von mehreren hundert Vieh einiges zusammen.

Im Radioprogramm ging es heute morgen dann auch hauptsächlich um die Regenmengen von gestern. Hörer wurden  aufgefordert zu erzählen, wieviel mm es in ihrem Dorf  geregnet hat: und das wird dort auch genau gemessen: 28 mm, 25, 17, 8, oder sogar teilweise  auch 0 mm.

Auch auf den Erdstraßen hier hat der Regen seine massive Folgen. Die sandige Erde verwandelt sich in das, was die Mennoniten Blot nennen. Eine sehr schlitterige, schlammige Angelegenheit. Ohne Allrad-Autos sind sie Wege kaum passierbar. Selbst mit guten Wagen ist das Fahren  ein Abenteuer, wenn man es nicht mehr geübt ist. Ich habe mich mal wieder drangewagt, war aber froh,  als ich wieder zu Hause war .

So sehen die Erdwege aus, wenn es trocken ist und sie gut gepflegt sind.camino-loma-plata

Und so nach Regen:

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Impressionen von Filadelfia bei Regen (für alle, die denken, ich lebe hier unter Palmen)plot-hindenburg

plot-am-super

Aber heute ist schon wieder Sonnenschein und die Wege werden wieder glatt gewalzt!!!

20.09.16  Die Lage der Indíginas

Am Dienstag schon hatte ich die Gelegenheit mit einer Bekannten zu einer Versammlung von Indianerfrauen teilzunehmen, die für Frauenrechte und Zugang zu sauberem Wasser kämpfen.Indigene Frauen von 10 verschiedenen Stämmen (sie sprechen von Völkern) haben sich zusammengetan zu einer „Plataforma de Mujeres y Jóvenes Indíginas del Chaco“.

Das ist schon deshalb etwas ganz Besonderes, weil diese indigenen Völker alle unterschiedliche Sprachen sprechen, viele können kaum Spanisch.Außerdem ist die Stellung der Frauen in ihrer Gesellschaft nicht stark, sie sind Gewalt und Missbrauch ausgesetzt. Deshalb ist es sehr mutig und bewundernswert, dass eine solche Initiative überhaupt zustandegekommen ist.

Tatsache ist, dass 80% der indigenen Gemeinden keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Sie trinken das in größeren Löchern gesammelte Regenwasser, was zum Waschen und Trinken benutzt wird und entsprechend schmutzig ist und zu schlimmen Krankheiten führt, vor allem bei Kindern.

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Die Honoratioren waren auch alle geladen, machten schöne Worte darüber, dass der Zugang zu sauberem Wasser ein Menschenrecht sei und verschwanden wieder.

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Das Thema Wasser ist im Chaco zentral. Da es keinen Fluss und wenig Grundwasser gibt, läuft die komplette Wasserversorgung über das Sammeln von Regenwasser. Die Mennoniten sammeln das Wasser mit großen Regendächern  in Zisternen. Das kostet natürlich Geld und technisches Know How, was die Indigenen beide nicht haben. Auf der anderen Seite beklagen viele Weiße, dass sie letztlich völlig inaktiv seien, nur immer erwarten, dass der Staat alles für sie mache und deshalb selbst ein Stück weit Schuld seien.

Ich kann es noch nicht beurteilen, werde mich aber weiter informieren.

18.09.16  Weiterreise nach Filadelfia im Chaco

Hier in Filadelfia war meine Arbeitsstelle während meines Auslandsaufenthaltes und bis heute haben sich enge Freundschaften erhalten. Zwei volle Monate will ich bleiben und habe selbst noch keine Ahnung, wie sich die Zeit gestalten wird. Michael wird erst Mitte Oktober kommen und ich muss einen Monat für mich selbst gestalten.

Die beiden Links geben euch einen Einblick in mein neues/altes Umfeld.

Fernheim im ChacoFernheim im Chaco paraguayo

Heide und Michaels Leben im Chaco 2002-2005

Schon die Anfahrt war ein kleines Abenteuer. Filadelfia liegt 500 km von Asunción entfernt, die Ruta Transchaco ist schnurgerade und meistens in extrem schlechten Zustand, was oft

schreckliche Unfälle verursacht.baches-transchaco

(Archivbild aus der Tageszeitung ABC-Color, 16.08.2016)

Um es zu vermeiden, in die Dunkelheit zu kommen, wählte ich von den beiden einzigen Bussen, die tagsüber nach Fildadelfia fahren, den frühen um 6 Uhr, ohne zu wissen, dass das der „Chickenbus“ ist, der an jeder Ecke hält und statt 5 Stunden 9,5 Stunden braucht, heiß und voll ist, weil die Arbeiter/innen am Sonntag alle wieder zurück auf ihre Estancias und andere Arbeitsstellen fahren.

Ich selbst entdeckte die Langsamkeit und übte mich in Geduld und auch ein bisschen Demut bei dem Gedanken, dass diese Menschen im Gegensatz zu mir keine Alternative haben, bequemer zu reisen und das immer aushalten müssen.

In Filadelfia angekommen, konnte ich dann mein kleines aber komfortables Häuschen beziehen, ein flottes Fahrrad habe ich auch schon geliehen bekommen.

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16.09.16  Zurück in Paraguay

Drei Jahre habe ich in diesem Land gelebt und gearbeitet (2003-2005).

Mehrmals war ich seitdem wieder hier. Und obwohl Paraguay sicher nicht die touristischen Attraktionen hat, wie andere südamerikanische Länder, habe ich es lieb gewonnen. Vielleicht auch gerade deshalb. Wichtig sind hier die Begegnungen mit Menschen. Und die gehören, wenn man den entsprechenden Untersuchungen glauben kann, zu den glücklichsten der Welt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass das Leben so akzeptiert wird, wie es ist. Wirklich hungern tun wenige, das Wetter ist meistens schön und die Erde fruchtbar.

Dass die Korruption für europäische Verhältnisse gigantisch ist und die jeweils Herrschenden sich hemmungslos die Taschen vollstopfen, daran hat man sich gewöhnt und (er-) trägt es mit einem gewissen Fatalismus.Mit der Folge, dass sich daran auch kaum jemals etwas ändert.

Es war ein lang gehegter Wunsch, nach meiner Pensionierung längere Zeit ohne besonderen Verpflichtungen hier zu leben. Vor allem aber im Chaco, wo wir noch viele Freunde und Bekannte haben.

Am 15.September kam ich schließlich morgens in Asunción an.

Empfang Flughafen.jpgwillkommensplakat

Unerwartet herzlich war schon mein Empfang am Flughafen Silvio Pettirossi.

Dass unsere Freunde Dina Immen de Martinez und Bernd Immen mich abholen würden, war so abgemacht. Aber dass unser Patenkind Clara mir ihrer Mama und großem Willkommensschild extra von weit und beschwerlich mit verschiedenen Bussen anreisen würden, um mich zu begrüßen, hat mich sehr gerührt.

Dina ist Paraguayerin, Bernd Deutscher, er hat aber viele Jahre als Lehrer in Asunción gearbeitet und ist dem Land auch durch seine Frau sehr verbunden. Beide leben seit vielen Jahren in Wettelbrunn bei Staufen (das liegt wiederum 20 km südlich von Freiburg), sind sehr sozial engagiert und gründeten vor vielen Jahren den Verein Staufen-Paraguay. Schwerpunkt der Arbeit ist die Patenschaft für sozial schwache, aber leistungsstarke und motivierte Jugendliche. Näheres könnt ihr von der Homepage des Vereins erfahren.

Verein Staufen-Paraguay

Michael und ich haben schon das dritte Patenkind: eben die liebe Clara (14 Jahre), die ich jetzt zum erstenmal persönlich kennenlernte. Es ist die typische Geschichte in Paraguay: die Mutter ist alleinerziehend, der Vater hat sich aus dem Staub gemacht und zahlt keinen Guaraní. Im Gegensatz zu vielen anderen in ihrer Situation, ist Clara extrem strebsam in der Schule und hat sich hohe Ziele gesetzt. Sie möchte Flugzeugbauerin werden!!!! Das ist sicher ein sehr weiter Weg.

Patenkinderfest

Es traf sich gut, dass am Samstag nach meiner Ankunft das jährliche Patenkinderfest stattfand. Alle Patenkinder (über 100) mit Familie sind eingeladen, dazu die Betreuer und Organisatoren. Wenn immer möglich sind Bernd und Dina dabei und wenn Pateneltern zu der Zeit in Asunción sind, natürlich auch.

Die Anreise ist für viele Familien wie für Clara und Mama, die auf die schlechten öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind, sehr mühselig. Etliche müssen 2-3 Stunden für eine Fahrt in  klapprigen und heißen Bussen zubringen.

Etwa 120 waren der Einladung gefolgt. Neben dem Tätigkeitsbericht des Vereins durch die Verantwortlichen vor Ort und Bernd und Dina, bereicherten zahlreiche Patenkinder das Fest durch kleinere kulturelle Beiträge: Tänze, Lieder , Rezitationen.

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Gruppenbild kl.JPG

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